TGH

Chronik

Die Tradition des Theaterspielens geht in Hettenshausen bis auf die Zeit der 30er Jahre zurück, doch mit Beginn des 2. Weltkrieges musste der Spielbetrieb aus personellen Gründen eingestellt werden.

Bereits kurz nach dem Krieg lebte die Tradition wieder auf und die Hettenshausener Bühne wurde weit über die Gemeindegrenzen hinaus bekannt. Die Vorstellungen waren nicht nur auf die Heimatgemeinde beschränkt, sondern es erfolgten auch Aufführungen in den Sälen der Nachbargemeinden, wie z.B. Ilmmünster oder Reichertshausen. Eines der erfolgreichsten, bekanntesten und eindrucksvollsten Stücke in dieser Zeit war „Der Brandner-Kaspar“ von Joseph-Maria Lutz.

Im Zeitalter des „Wirtschaftswunders“ und der zunehmenden Motorisierung wurde dann das allgemeine Interesse immer geringer und die damit verbundenen Nachwuchsprobleme führten zur Auflösung des Vereins.

Mit Beginn der 70er-Jahre kam dann langsam wieder ein bestimmtes Heimat- und Zusammengehörigkeitsgefühl auf. 1972 entschloß man sich in den Kreisen des Fußballclubs Hettenshausen unter dem damaligen Vorstand Werner Wörl, die Weihnachtsfeier mit einem „Einakter“ zu beleben. Dies führte zu einem unerwarteten Erfolg. Eine Weihnachtsfeier des FCH ohne Theaterstück war nicht mehr vorstellbar.

Genau 10 Jahre später wurde dann Ostern 1982 auf die Initiative von Werner Wörl, Anton Stampfl und Erich Breitner erstmals mit dem Stück „Thomas auf der Himmelsleiter“ eine abendfüllende Vorstellung gegeben. Dies war die Geburtsstunde der Theatergruppe Hettenshausen. In einer kurz darauf einberufenen Gründungs-versammlung wurde der Verein ins Leben gerufen. Noch im selben Jahr wurde dann im Dezember mit „Gaunerpech“ ein weiteres Stück auf die Bühne gebracht. Nachdem 1983 mit „Opa will heiraten“ ein Stück zur Aufführung kam, spielte man 1984 bis dato zum letzten Mal 2 Dreiakter in einem Jahr („Die Giftspritz’n vom Bründlhof“ und „’s Erbschaftsfieber“). Seitdem spielte man Jahr für Jahr an 2 oder 3 Wochenenden für die Bevölkerung in und um Hettenshausen. Seit dem Jahre 1996 hat es sich eingebürgert, an den drei Wochenenden vor Ostern zu spielen.

Im Bühnenbau mußte anfangs aus Mangel an finanziellen Mitteln sehr stark improvisiert werden, doch dank des großen Erfolges, der immer mehr Zuschauer anlockte, sowie der technischen Fähigkeiten und des unermüdlichen Einsatzes der dafür verantwortlichen Mitglieder stand bald eine Bühne einschließlich Beleuchtung und Technik zur Verfügung, die unseren Anforderungen entsprach. Dabei zeichneten sich die Bühnenbauer, allen voran Anton Stampfl jun, Hans Nischwitz und Wolfgang Kunschner, vor allem bei großen Stücken durch überraschende Bühnenbilder aus.

Ein besonderes Schmankerl bot die Theatergruppe den Hettenshausener Fans zum 10-jährigen Jubiläum, als die Mitglieder mit einer großen Anzahl von Mitwirkenden einen bunten Abend auf die Beine stellten, der äußerst großen Beifall erntete. Die Theaterspieler zeigten Szenen aus früher gespielten Stücken, Sketche, Kindertheater und Einakter. Besonders im Gedächtnis hängen geblieben sein dürfte das Lied „Die zwoa Dummköpf“ mit Richard Walter und Hans Nischwitz, das so großen Beifall erntete, dass man es 10 Jahre später wieder am Jubiläumsabend hören sollte. Durch das Programm führte Willi Pausch.

Am 30. Oktober 1993, zum 100. Geburtstag von Josef Maria Lutz, trug die Theatergruppe mit mehreren Beiträgen stark dazu bei, einen äußerst unterhaltsamen und erfolgreichen „Lutz-Abend“ im Schrätzenstaller-Saal zu veranstalten. Unter anderem wurden markante und bekannte Szenen aus „Der Geisterbräu“ und „Der Brandner Kasper“ gespielt und kamen „Der Käse und da Kas“ sowie der Einakter „Frühlingslied“ zur Aufführung.

Unter der Vorstandschaft von Willi Pausch wurde auch das gemeinsame Vereinsleben außerhalb der Theateraufführungen mehr aktiviert. Wie von einigen Spielern angeregt, wurde ein regelmäßiger Stammtisch einberufen, der bald große Zustimmung fand. Neben den beliebten Vereinsausflügen am letzten Septemberwochenende und verschiedenen Theaterbesuchen bei anderen Bühnen erfreuen sich auch die jährlichen Grillfeste großer Beliebtheit.

Im Jahre 1996 hat die Vorstandschaft beschlossen, dass man aus der Theatergruppe einen eingetragenen Verein („e.V.“) machen sollte. Diese Aktion wurde dann am 3. Dezember des Jahres 1996 auch von der Mitgliederversammlung abgesegnet und am 17. Februar 1997 notariell beglaubigt.

Den bis dahin größten Erfolg der Vereinsgeschichte durfte man im Jahre 1998 feiern. Im Rahmen der 1200-Jahrfeier der Gemeinde Hettenshausen kam „Birnbaum und Hollerstauden“ von Joseph Maria Lutz zur Aufführung, ein überaus schwierig zu inszenierendes Stück, was sowohl Bühne und Beleuchtung, als auch Spielkunst angeht. Die überaus positive Reaktion aus Publikum und der Presse waren Lohn für 7 Monate harter Arbeit an der Bühne und bei den Proben. Sämtliche Aufführungen waren ausverkauft und man mußte sogar eine Extravorstellung einschieben.

Einen weiteren Höhepunkt hatte die Theatergruppe im Jahr 2000, als man wiederum ein Lutz-Stück einspielte. Noch nie zuvor standen in Hettenshausen so viele Darsteller auf der Bühne. 22 Akteure spielten so überzeugend, dass man auch einen neuen Zuschauerrekord verbuchen konnte. Insgesamt hatten mehr als 40 Mitglieder am Erfolg dieses Stückes mitgearbeitet, das an allen Aufführungstagen restlos ausverkauft war.

Auch im 20. Jahr ihres Bestehens feierte die Theatergruppe mit ihren treuen Fans das Jubiläum mit einem von Richard Walter gestalteten bunten Abend, direkt im Anschluss an die „regulären“ Theateraufführungen. An diesen beiden Abenden bei freiem Eintritt hat man bei den Besuchern für einen wohltätigen Zweck gesammelt. Anlass dazu war die traurige Nachricht, dass unser Gründungsmitglied Richard Walter an Leukämie erkrankt war.

Nach jahrelangen Bemühungen mit Verhandlungen mit Verantwortlichen und Gutachten von Sachverständigen ist in der Saison 2005 der Traum wahr geworden, dass man zur Aufführung des Klassikers „Der verkaufte Großvater“ die Säulen aus dem Schrätzenstaller-Saal entfernen konnte, die vielen Zuschauern in der Sicht auf die Bühne behinderten. Treibende Kräfte in dieser Angelegenheit waren Vorstand Willi Pausch, Bühnenchef Anton Stampfl jun. und Neumitglied Richard Seemüller, der sich von da an auch im Bühnenbau federführend beteiligte.

Zum 25-jährigen Vereinsjubiläum gönnte sich die Theatergruppe eine komplett neue Bühne. Der Boden auf der Grundbühne im Schrätzenstaller-Saal wurde aufgedoppelt und die Kulissen als Bausteine zugeschnitten, damit sie für zukünftige Aufführungen flexibel verwendet werden können. Ein äußerst glückliches Händchen bewies Spielleiter Richard Walter mit der Auswahl des Stückes in der Saison 2007. „Graf Schorschi“ kam beim Publikum so gut an, dass man eine Zusatzaufführung einschieben musste, die wiederum in 1 ½ Tagen ausverkauft war. Die wahrscheinlich vom Spielerischen her beste Aufführung bisher endete mit einem neuen Besucherrekord.

Die bisher meisten Zuschauer lockte allerdings „Das königlich bayerische Amtsgericht“ an, das mit drei Fällen in der Saison 2009 aufgeführt wurde. 19 Akteure wirkten bei dieser äußerst erfolgreichen Aufführung mit.

Ein weiterer großer Einschnitt war der Umbau des Saals bei unserem Vereinswirt, dem Gasthaus Schrätzenstaller, im zweiten Halbjahr 2014. Diese Maßnahme erforderte wiederum große Investitionen. Da von der Vorstandschaft vorausschauend Rücklagen gebildet wurden, konnte so zu Ostern 2015 auf einer komplett neuen Bühne mit nagelneuer Elektrik gespielt werden. Dabei haben Martin Straßer, der sich zusammen mit Franz Walter um die Elektrik und die Koordination mit der Narhalla gekümmert hat, sowie Richard Seemüller und Anton Stampfl, die viele Tage lang die Kulissen und den Unterbau zusammengezimmert haben, besonders viele Stunden ihrer Freizeit geopfert.

Die Gründungsmitglieder des Vereins waren: Werner Wörl, Erich Breitner, Anton Stampfl sen., Anton Stampfl jun., Hans Nischwitz, Richard Stampfl, Werner Karl, Horst Reichertseder († 2002), Richard Walter, Helmut Stampfl, Josef Kainz, Heinz Liebig, Willi Pausch jun., Georg Treffer, Edda Treffer, Brigitte Hauser, Monika Karl († 1995), Helga Stampfl, Elfriede Reichertseder (heute Junker), Paula Littel, Hedwig Nischwitz († 1997), Hans-Jürgen Strobl, Edith Lachermayer (heute Gürtner), Irmgard Hiereth, Gerlinde Haberl (heute Hofmann), Josef Littel, Claudia Wörl.
Derzeit (Stand 19. März 2016) sind im Verein 95 Mitglieder gelistet.

Der Gründungsvorstand bestand aus Werner Wörl (1. Vorstand), Werner Karl (2. Vorstand), Edda Treffer (Kassier), Anton Stampfl sen. (Spielleiter).